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Gregorio - Der ultimative Wanderpapst vom Tresen

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Guanchennachkomme, Wanderführer, Barkeeper, One-Man-Show, Meteorologe, Zauberer, Sprachlehrer und, und, ...

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Der Wanderpapst erklärt, wo es lang geht !

Der Asket mit dem schlohweißen Haar läßt sich am liebsten für einen "Mittfünfziger" halten und erklärt das mit der gesunden Bewegung an frischer Luft. Der Mann ist nicht nur vielseitig, er ist beliebt, insbesondere bei jenen, die mit festem Schuhwerk die Insel berennen und nicht durchweg Leistungsplaketten an Wanderstöcken und Gamsbärte an den Hüten mit sich führen. Unter den Wandervögeln ist er der Hit und hat in einer guten Woche auch schon mal 700 Teilnehmer, grob geschätzt. Wetter ist auf den Kanaren kein Thema, bei Gregorio schon gar nicht: "Bei mir scheint immer die Sonne!" behauptet er, und es stimmt auch wenn es neblig ist.Er weiß, was seine Kundschaft sucht: neben Ortskenntnis, Sachkunde vor allem Charme und Witz.

Wandernde Damen sind auffällig in der Überzahl und vergessen oft den Teide und um was es sonst noch Wanderbares in der Hauptsache geht. Man spricht Deutsch!

Rechts die Berge, links die Schlucht...

Und dann geht es ab durch die Mitte durch die Cafiadas, durch die Masca-Schlucht, über die Zentralkordilliere zum Esperanza-Wald, über staubige Kartoffeläcker, vorbei an idyllischen Dörfern und atemberaubenden Landschaften.

Es ist eher etwas für den geselligen Wanderer, der nicht nur die Landschaft, sondern vor allem Gleichgesinnte kennenlernen will. Dass sich hier verlorene Jugendfreunde nach 35 Jahren wiederfanden, glückliche (Wander)-Ehen angebahnt wurden und sich selbst ehemalige Feinde aus englischen und dem deutschen Schützengraben beim Wein verbrüdern, glaubt man gern, denn Alters- und Gemütslage gleichen sich auffällig.

Treue ist hier noch ein Wert an sich, darum kommen Stammwanderer tatsächlich jedes Jahr nach Teneriffa, nur um mit IHM über das Lavageröll zu steigen. Wer es im Hotel Tigaiga dann nur noch bis zur Bar schafft, kann wenigstens noch verbal der Wanderfreuden teilhaftig werden, während man dann an Gregorios Cocktails nippt und sich streitet, ob die Pina Colada oder der Sidecar sein bester Drink sei. Der Gimlet jedenfalls nicht. Aber das ist nicht wichtig, denn es geht hier nicht um hochprozentige Gemische, sondern um Gregorio als One-Man-Show hinterm Tresen.Es wundert darum nicht, dass "Wandern mit Gregorio" inzwischen ein Exportartikel ist, den man auch in Boppard am Rhein mit frohem Wanderlied auf den Lippen genießen kann.

... und historisch bewandert

Nach dem üblichen Gerede über "sanften und umweltverträglichen Tourismus", für den das Wandern gemeinhin gehalten wird, ein Irrtum, wie die Aussperrung von Wanderern aus dem Barranco del Infierno, beweist, wendet man sich der Geschichte zu, vorzugsweise den fünfziger Jahren, der vortouristischen, schlechten Zeit.

"Damals gab es hier keine Arbeit und kaum genug zu essen. Die armen Leute wanderten nach Amerika aus, heimlich, weil es unter Franco verboten war das Land zu verlassen."

Der sonst tolerant verachtete, oder bestenfalls verlachte Tourist fühlt sich mit einem Mal als Wohltäter und ist plötzlich über sich selbst gerührt: "An einen solchen Tourismus wie heute war gar nichtnicht zu denken. Der Süden war Wüste. Dort wohnte fast niemand, und im Norden gab es gerade mal drei Hotels. Mein Vater musste einen Ausweg aus der Not finden. Er besorgte 1953 ein kleines Schiff und segelte mit 42 Menschen an Bord los. Nach Venezuela wollten sie. Einer meinte
auch zu wissen, wo das liegt".Nach drei Monaten sind sie dann in Brasilien gestrandet, erfährt man,und 18 Jahre später kam
Gregorios Vater genauso arm zurück, wie die meisten Rückwanderer.

... und ganz ureinwohnlich

"Meine Vorfahren haben noch in einer Höhle bei Garachico gewohnt, die nachweislich dem letzten Guanchenkönig (!) dieser Region im Nordwesten der Insel gehört hatte. Später wurde über diese Höhle ein Haus gebaut, das noch heute steht. Mein Großvater nutzte die Grotte als Ziegenstall," weiß Gregorio der Guanchennachfahre von vermeintlich königlichem Geblüt zu schwadronieren, obwohl man über die Guanchen sonst kaum was weiß, außer daß sie überwiegend die Blutgruppe null negativ hatten, wie Wissenschaftler anhand von Mumien-Analysen herausfanden.

An die Hunderttausend Guanchen sollen auf Teneriffa gelebt haben und sich lange und zäh gegen die Spanier verteidigt, bis sie von der Wunderwaffe der Viren und fremden Krankheitserreger besiegt und fast ausgerottet wurden.

An Genozid, das damals auch völlig gang und gäbe war, will Gregorio deshalb auch nicht glauben, den Volkszählungen von 1515 auch nicht, die auf Teneriffa nur noch 4.070 und auf Gran Canaria 7.490 Seelen gezählt haben wollten.

Wie Statistiken eben so sind: Wahrscheinlich hatten sich die Guanchen nur dünne gemacht, waren in die Berge gezogen und die Spanier hatten - aus naheliegenden Gründen auch kein großes Interessen an großen Eingeborenenzahlen... Nur so lassen sich die Kontroversen und Differenzen über Zahlen, die sinnfälligen physischen Merkmale, die die Ureinwohnern den Nachgeborenen vererbt haben, die sprachlichen Eigenheiten, Sitten und Gebräuche erklären. Einen Drink weiter ist das dann noch relativer.

"Ganz gleich, welche Meinung einem plausibler ist", erklärt der selbsternannte Guanchenabkömmling Gregorio mit der flotten Sohle, "wer die Ureinwohner wirklich sehen will, muss sich mit dem
Anblick von Mumien in den Museen von Santa Cruz de Tenerife, Las Palmas und Madrid begnügen". Und so alt sieht er selbst nach Schließung der Bar nicht aus.

Kontakt: Wandern mit Gregorio - Tel. 922 38 35 00, Fax 922 33 09 10 oder mobil unter 639 33 27 61 oder 686 48 06 33

Rolf Kepper

erstellt: 26. 03. 05 · zuletzt gešndert: 20. 12. 08 · 3896 mal gelesen · hoch
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