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Der blaue Dunst des Vergnügens

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Rauchen ist nicht nur, daß man einfach giftige Substanzen über die Bronchien zu sich nimmt, Rauchen ist die Inszenierung bzw. Selbstinszenierung.

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Tabakanbau
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Tabakanbau
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Tabakanbau
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Das Endprodukt

Schließlich wurden Humpfrey Bogart und Lino Ventura durch die Art und Weise, wie sie inhalierten und durch den Rauch spähten weltberühmt. Winston Churchill, die Foto-Ikone des Victory-Zeichens mit gespreiztem Zeige- und Mittelfinger rechts und der dicken Zigarre links. Dagobert Duck ist ohne Zigarre (spanisch: Puro) im Entenschnabel gar nicht denkbar. Bevor “Carmen”, vom Zigeunerstamm, in Sevilla den Bolero sang, hatte sie damals möglicherweise zwölf Stunden lang Puros für Dagobert gewickelt. Die Zigarrenherstellung hat inzwischen in Andalusien zumindest die Strukturkrise der Tabakindustrie nicht überlebt. Nur auf La Palma wickelt man noch so kunstvoll wie in Havanna. Das ist kein Zufall, denn die westlichen Kanaren sind schon fast Südamerika. Venezuela wird als die achte, Kuba als die neunte “kanarische” Insel geführt. Die Havanna ist weltberühmt. Aber wer kennt schon die La Palma?

Man kann diese kanarische Zigarre nach einem authentisch kanarischen Mahl mit frischem gegrillten Fisch, gefangen von echten kanarischen Fischern, dann bei Meeresrauschen mit Papas Arrugadas und Mojo, den speziellen kanarischen Soßen, heimischen Ziegenkäse und Wein vom Teide zu sich nehmen, während kanarische Mädchen sich zu kanarischen Chorgesängen tambourinschwingend im Tanze drehen - und so sein kanarisches Gesamthappening für einen typischen kanarischen Urlaubstag abrunden.

Man kann sie, die Puros von La Palma, aber auch in jedem Supermarkt auf den Inseln kaufen und einfach nur so rauchen. Mit dieser Schlichtheit outet sich allerdings der ignorante Inhalierer, der nicht viel Rauch und Gedöhns um seinen entzündeten Tabakstrunk macht.

Das artgerechte Zelebrieren einer La Palma geht etwa so: Fischerkneipe mit Meeresrauschen im Hintergrund. Ein schwarzgebrannter Fischer ohne Zähne und fehlenden rechten Zeigefinger verbrüdert sich nach dem fünften Schnaps mit dem schüchtern dreinlächelden Touristen am Tresen und meint zum Wirt schief grinsend: “Hombre, dame dos puros!” Der Fremde ist sofort gerührt, daß ihm das allgemeine Feixen der Restbesatzung entgeht.

Der Wirt schiebt die zwei kanarischen Zigarren und zwei Wassergläser kubanischen Rum über die Theke. In seinen Augen stehen zwei Fragezeichen. Aus dem Radio dröhnt der Salsa -Hit “Que foo!” (Wie mies!) El Rubio, der Blonde, wie der spendable Fischer aus unerfindlichen Gründen genannt wird, greift sich die Zigarren: “Mira!” Mit dem Reibrand seines Feuerzeugs rubbelt er am Mundstück der Zigarre herum und gibt eine Einführung über richtige Züge und falsche Züge. Mit feierlicher Geste taucht er dann die Mundstücke der Zigarren in den Rum. Der erste Geschmack, ein tiefes Einatmen, na? Sanft und mild, wie La Palma. Nur das Meeresrauschen wird lauter. Noch einen Zug aus deiner Puro und ein Schluck Rum bis Puro und Rum Tango tanzen, selber aber sitzenbleiben, unbedingt, und bloß keinen Text!

El Rubio bringt´s jetzt noch kanarischer: “Dos cortados!” Der Wirt rückt zwei klebrige Kaffee-Gläser mit einem Bodensatz süßer Kondensmilch rüber. El Rubio fügt dem “Cortado” noch etwas Rum zu: eine Spezialität des Archipels der Glückseligen. Nach Alkohol und Rauch feiern jetzt Tabak und Zucker Hochzeit. Auch diese Ehe wird zum Ende hin bitter, bis der Puro im Aschenbecher ausgedreht wird. Der Satz prüfender Augenpaare im Raum wendet sich nun lohnenderen Gegenständen zu. Der Fremde hat die Prüfung bestanden und murmelt nun ein ergriffenes “Muchas Gracias!” “Keine Ursache!” erwidert El Rubio.

erstellt: 12. 12. 02 · zuletzt geändert: 12. 12. 02 · 4652 mal gelesen · hoch
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